Erlenhöfe Jena
In Jena am Fuß des Jenzig ist mit dem Wohnquartier Erlenhöfen das größte soziale Wohnungsbauprojekt Thüringens entstanden. Auf einer Fläche von insgesamt ca. 15.500 Quadratmetern sind 15 Wohnhäuser mit 140 Wohnungen, davon 90% also 128 öffentlich gefördert, 100 Pkw- und über 350 Fahrradstellplätze sowie Außenanlagen mit großzügigen Freizeitbereichen und naturnaher Bepflanzung realisiert worden.
Leitlinie bei der Projektentwicklung war die Schaffung von Wohnraum insbesondere für Haushalte mit mittleren und unteren Einkommen. Neben einer günstigen Kaltmiete wurden weitere Maßnahmen für preiswerte und stabile Nebenkosten getroffen. So sind die Mieterinnen und Mieter etwa dank eines innovativen Energiekonzepts unabhängiger von Energiepreisentwicklungen.
Soziale Ausrichtung und Teilhabe
Von den insgesamt 140 Wohnungen sind über 90 % barrierefrei gestaltet. Acht Wohnungen sind darüber hinaus uneingeschränkt rollstuhlgerecht ausgestattet und ermöglichen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein selbstbestimmtes Wohnen.
Als wertvolle Bereicherung für das Quartier wurde die straßenseitig gelegene Gewerbefläche an die SBW Lebenshilfe Jena vermietet. Dort befindet sich unter anderem eine besondere Wohnform in Gestalt einer Wohngemeinschaft mit 17 voll ausgestatteten Einzelzimmern für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Das Angebot ermöglicht ein selbstständiges und inklusives Wohnen mit bedarfsgerechter Betreuung.
Darüber hinaus unterstützt die Lebenshilfe alle Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers und leistet einen wichtigen Beitrag zum sozialen Miteinander. Durch Veranstaltungen, Hausaufgabenhilfen, gemeinsame Ausflüge und zahlreiche weitere Angebote fördert sie aktiv die Teilhabe und stärkt den Zusammenhalt innerhalb der Nachbarschaft.
Serielle Bauweise und CO2-reduzierte Pflastersteine
Die Gebäude mit Gebäudeenergieeffizienz EE 40 wurden durch das Unternehmen Goldbeck Ost GmbH in serieller Bauweise errichtet, bei der bspw. die Außenwände bereits mit Fenstern und die Bäder als Fertignasszellen – voll ausgestattet bis hin zur Duschtrennwand – vorgefertigt im Werk auf der Baustelle nur noch montiert werden mussten. Dies ermöglichte eine schnelle Bauzeit.
Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde neben der Vorfertigung der Bauteile in kontrollierten Umgebungen auch bei der Wahl der weiteren Baustoffe auf Qualität geachtet. So sind bspw. fast alle Metallteile mit Pulverbeschichtung versehen, in Aluminium oder Edelstahl ausgeführt und die Fassaden mit einem hoch wasser- und schmutzabweisenden Dekorputz geschützt. Weiterhin wurden Zisternen gebaut und ein um 90 % CO₂ reduzierter und werkseitig imprägnierter Klima+‑Pflasterstein der Fa. Rinn ziert die barrierefreie Mittelachse und die Hauseingänge.
Extensive Begrünung und naturnahe sowie kreative Freiraumgestaltung
Das Quartier soll im Kontext der Nachhaltigkeit nicht nur in Bezug auf Qualität, Langlebigkeit und preisstabile regenerative Energieversorgung neue Maßstäbe setzen, sondern auch mit einem biodiversen und attraktiven naturnahen Außenbereich. Hier wurden überwiegend heimische Wildpflanzen sowie Obst- und Beeerensträucher gesetzt sowie Wildblumenwiesen angelegt..
Auf 5.000 Quadratmetern Dachfläche wurde nicht nur trotz sondern auch wegen der Synergie mit der PV-Anlage (Temperatur-Wirkungsgrad) eine extensive Begrünung realisiert.
Es wurden 3 Spielplätze im Saurierthema, Begegnungs- und Aufenthaltsflächen sowie ein Outdoor-Fitnessbereich geschaffen, Die zentrale Treppenanlage, der Trafo und die Stromkästen wurden mit Graffiti verschönert.
Das Wohngebiet erhält einen großen Teil seiner Attraktivität auch aus der bereits gegebenen Naturnähe. Einerseits ist da der Gembdenbach mit seinem gewässerbegleitenden, hauptsächlich durch Erlenbewuchs geprägten Auwald. Nicht weniger prägend für den Ortsteil Wenigenjena ist die markante Silhouette des Jenzig. Beide Naturräume standen Pate bei der Entwicklung von Namen und Logo des neuen Quartiers.
Energiekonzept: Blockheizkraftwerk und Photovoltaik
Zur Wärme- und Stromerzeugung für das Wohnquartier dienen ein im Winter strom- und im Sommer wärmegeführtes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 50 kWel und 81 kWth Leistung sowie drei Gas-Brennwertkessel mit je 630 kW Leistung für Spitzenlasten und Redundanz und drei Pufferspeicher mit je 5.000 l Speichervolumen, einem Netzpumpenmodul und einer Regelung.
Das zweite Heizhaus mit einem 550 kWth liefernden Biomassekessel sowie einem Großpufferspeicher mit 30.000 l Fassungsvermögen, einem Hydraulikmodul und einer übergeordneten Regelungstechnik steht auf dem Gelände des städtischen Gartenbaubetriebs Talstein und ist mit dem Wohnquartier über eine unterirdische, 726 m lange, gut gedämmte Wärmetrasse verbunden.
Im Regelbetrieb liefert der Biomassekessel für die Gärtnerei und das Wohnquartier dauerhaft die Grundlast des Wärmebedarfs. Falls die Vorlauftemperatur des Biomassekessels bei tiefen Außentemperaturen nicht ausreichen sollte, schalten sich die Gas-Brennwertkessel automatisch zu. Der Clou: Die Anlage verbrennt Holzschnittabfälle, die durch Pflegemaßnahmen des Kommunalservice Jena im Stadtgebiet sowieso anfallen, und ist somit ein Vorzeigebeispiel für kommunale Kreislaufwirtschaft. Die Spitzenlastkessel sind hierbei zukunftssicher und „H2-ready“.
Lokal selbst erzeugter Strom
Die Bewohner des Quartiers profitieren von einem Mieterstrommodell, indem sie den vor Ort produzierten Strom auch selbst verbrauchen. Den Strom hierfür liefert in erster Linie die maximal ausgelegte Photovoltaikanlage auf den Dächern des Quartiers mit ca. 270 kWp sowie der auf die Häuser verteilte Stromspeicher mit aktuell insgesamt ca. 234 kWh. Auch die Ladesäulen der E‑Autos werden hierüber versorgt. Wenn die Sonnenstunden und die gespeicherte Energie nicht ausreichen, schaltet sich das BHKW zu, welches gleichzeitig auch Wärme für das Warmwasser erzeugt. Sollte dies in ganz dunklen Zeiten ebenfalls nicht reichen, wird erst in letzter Instanz der Restbedarf über einen Ökostromtarif von den Stadtwerken gedeckt.
Wärmeersatz für die städtische Gärtnerei
Neben der Wohnungsgenossenschaft gibt es einen weiteren Wärmekunden, der von der neuen Infrastruktur profitiert: die städtische Gärtnerei Talstein selbst. Die Gärtnerei wurde in der Vergangenheit mit drei Heizölkesseln und einer Gesamtleistung von 725 kW aus einem Tanklager mit 40.000 Litern Heizöl beheizt. Ab sofort wird die Gärtnerei nun ebenfalls durch das Nahwärmenetz versorgt. Die Kooperation ist somit ein vorbildhaftes Beispiel für eine smarte Synergie zwischen öffentlichem und privatem Engagement hin zu einer nachhaltigeren Zukunft.
Quelle: Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ eG
Projekt-Website: www.erlenhoefe-jena.de











