Wie nachhaltig kann Bewehrungsstahl sein?
6. Mai 2026

Was ist das Problem, mit dem ihr euch befasst? Worin besteht die Nachhaltigkeitsherausforderung?
Das zentrale Problem, mit dem wir uns beschäftigen, ist der hohe CO₂‑Ausstoß des Bausektors. Dieser entsteht im Betrieb und Bau von Gebäuden. Da der Gebäudebetrieb durch technologische Fortschritte und Effizienzstandards immer emissionsärmer wird, rücken die sogenannten „grauen Emissionen“ aus der Bauphase stärker in den Vordergrund. Die höchsten grauen Emissionen stammen aus der Zementproduktion, gefolgt von der Herstellung von Bewehrungsstahl. Doch Stahl ist nicht gleich Stahl: Es gibt erhebliche Unterschiede hinsichtlich Produktionsverfahren. Während die klassische Hochofenroute besonders CO₂-intensiv ist, verursacht die Herstellung im Elektrolichtbogenofen grundsätzlich weniger Emissionen. Allerdings variiert auch bei Herstellung im Elektrolichtbogenofen der CO₂‑Fußabdruck je Tonne Stahl stark – abhängig vom verwendeten Schrottanteil und eingesetzten Energiemix. Die Krux an der Sache: in der Praxis landet Bewehrungsstahl aus unterschiedlichsten Werken und mit unterschiedlichem CO2-Fußabdruck „auf einem Haufen“ – Herkunft des Materials und damit verbundene Treibhausgasemissionen sind auf der Baustelle nicht mehr nachvollziehbar.
Was ist euer Lösungsansatz / die Innovation?
Die Lösung für die beschriebene Herausforderung haben wir basierend auf konkreten Kundenanforderung entwickelt. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für STOOX sind:
- CO2-basiertes Sourcing des Rohmaterials: je nach Standort und Bauzeit des Projektes wählt SÜLZLE in Absprache mit dem Kunden Stahllieferwerke aus, die einen besonders niedrigen CO2-Fußabdruck aufweisen
- Konsequente Lieferwerksverfolgung im Biegebetrieb: digitale Produktionstechnologie ermöglicht die Kennzeichnung und Verfolgung des Materials
- TÜV-validierte PCF-Berechnungsmethodik nach ISO 14067:2018 – auf Wunsch inkl. Berücksichtigung der Emissionen durch Transporte und kalte Verarbeitung
- Reporting und Nachweis auf Positionsebene: bei Interesse erhält der Auftraggeber regelmäßig einer Übersicht aller gelieferten Positionen inkl. Menge, Herkunft und Treibhausgasemissionen des Materials
- Nahezu unendliche Recyclingfähigkeit von Stahl: Recyclingquoten von > 90 % können garantiert werden
Was ist der Impact?
Der Impact von STOOX ist die Offenlegung und Reduzierung der grauen Emissionen, die durch Bewehrungsstahl entstehen. Statt auf zukünftige technologische Entwicklungen zu warten, können Bauherr:innen, Tragwerksplaner:innen, Architekt:innen, Investor:innen und Bauunternehmen mithilfe von STOOX bereits heute die beste Wahl aus den verfügbaren Optionen für Bewehrungsstahl treffen.
Konkrete Zahlen zum reduzierten CO₂‑Fußabdruck mit STOOX liefert der Bau der neuen U-Bahn-Linie in Hamburg. Die HOCHBAHN macht Treibhausgasemissionen zum wesentlichen Bewertungskriterium: 70% der herkömmlichen CO₂-Emissionen sollen beim Bau der U5 reduziert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Aspekte des Bauvorhabens innovativ und ressourcenschonend geplant und umgesetzt werden. Natürlich betrifft das auch den Einsatz von Bewehrungsstahl. SÜLZLE Stahlpartner liefert im Auftrag der ARGE U5, bestehend aus Ed. Züblin AG und Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, Bewehrungsstahl mit einem CO₂-Fußabdruck von weniger als 400 kg CO₂ pro Tonne für den Bau der U5. Zum Vergleich: im weltweiten Durchschnitt entsteht bei der Produktion einer Tonne Stahl im Hochofen ein Ausstoß von ca. 1.770 kg CO₂. Branchendurchschnitt in Deutschland ist durch den hohen Anteil an Elektrolichtbogenofenproduktion 642 kg CO₂-Ausstoß je Tonne Bewehrungsstahl. Auch das ursprüngliche, bereits ambitioniert gewählte Ziel des Auftraggebers, nämlich ein Grenzwert von <500 kg CO₂ pro Tonne Stahl, unterschreitet SÜLZLE Stahlpartner deutlich.

Beitrag von Beatrix Immig
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