Bauen im Kreislauf: Wie SEMBLA® das Massivbausystem neu denkt

7. Oktober 2026

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Was ist das Problem, mit dem ihr euch befasst? Worin besteht die Nachhaltigkeitsherausforderung?

Was passiert mit Gebäuden am Ende ihrer Lebensdauer? Der größte Teil dessen, was einmal verbaut wurde, landet im Abrisscontainer. Nicht wegen technischer Schäden, sondern weil das heutige Bausystem nur begrenzte Möglichkeiten für eine gleichwertige Wiederverwendung bietet.

Die Bau- und Gebäudewirtschaft verursacht einen großen Anteil der globalen CO₂Emissionen und verbraucht erhebliche Mengen an Primärrohstoffen. Ein wesentlicher Anteil der Emissionen entsteht bereits bei der Materialproduktion.

Besonders relevant ist Portlandzement: seit über 150 Jahren weltweit standardisiert, bis heute das zentrale Bindemittel und einer der größten industriellen CO₂-Treiber. Der Großteil der Emissionen entsteht durch die chemische Reaktion im Herstellungsprozess.

Das Ergebnis ist ein überwiegend lineares System: bauen, nutzen, abreißen. Der materielle Wert der Bauteile geht dabei weitgehend verloren.

 

Andreas Kunsmann, CEO, Polycare

SEMBLA® zeigt, dass massive, leistungsfähige Wände und konsequente Kreislauffähigkeit kein Widerspruch sind. Wir montieren vorgespannte Systemwände — schneller, präziser und rückbaubarer als alles, was der Markt bisher kannte.

Andreas Kunsmann

CEO, Polycare

Was ist euer Lösungsansatz / die Innovation?

Mit SEMBLA® haben wir bei Polycare ein trocken vorgespanntes Massivbausystem entwickelt, das genau an diesem Punkt ansetzt. Material, Verbindung, Montage, Fassade und Rückbau sind von Anfang an als Ganzes gedacht. Das Ergebnis ist eine vorgespannte Systemwand, die sich genauso einfach demontieren lässt, wie sie montiert wurde.

Statt auf die klassische Nassbauweise mit Mörtel zu setzen, arbeitet SEMBLA® mit trocken montierten, modularen Bausteinen aus zementfreiem Geopolymerbeton. Die Steine werden ohne Mörtel gestapelt und über kontrolliert vorgespannte Gewindestangen zu einem soliden, tragfähigen Körper verspannt. Es bedarf dabei weder Schalung, noch Trocknungszeiten.

Der große Vorteil des Systems: Gebäude, die mit SEMBLA® errichtet werden, sind wieder rückbaubar. Die vorgespannte Systemwand lässt sich demontieren, die Bausteine können erneut eingesetzt werden. Was sonst Abfall wäre, bleibt Material mit Wert. Da das Bausystem einem Raster folgt, lassen sich die Bausteine flexibel zu neuen Wandelementen kombinieren. Das System ist so designed, dass Rückbau und Wiederverwendung deutlich wirtschaftlicher sind als Abriss und Produktion neuer Bausteine.

Das System kann direkt vor Ort auf der Baustelle montiert werden oder als vorgespannte Elementwand vorgefertigt angeliefert werden. Beide Varianten folgen derselben Systemlogik und lassen sich nahtlos in bestehende BIM- und CAD-Prozesse integrieren, ohne neue Planungslogiken zu erzwingen.

Was ist der Impact?

SEMBLA® kombiniert hohe strukturelle Leistungsfähigkeit mit einem Wandquerschnitt von lediglich 12,5 Zentimetern. Aktuelle Prüfberichte zeigen: Die vorgespannten Systemwände erreichen Tragfähigkeiten von über 2.000 kN/m, und liegen damit im Bereich von Stahlbeton, bei deutlich geringerem Materialeinsatz und rund 70 bis 80 % weniger CO₂  im Vergleich zu konventionellen Bauweisen. Das Material ist vollständig mineralisch, nicht brennbar (Brandklasse A1) und witterungsfest.

Die Serienproduktion läuft seit Anfang 2026 in Zusammenarbeit mit BERDING BETON am Standort Essen-Kupferdreh. Auf umgerüsteten, bestehenden Produktionslinien wird SEMBLA® dort vom Band gefertigt. Die Idee dahinter: bestehende Betonsteinwerke werden zu SEMBLA®-Produktionsstätten weiterentwickelt. Polycare liefert Rezeptur und technisches Know-how vom Mischen bis zum kalibrierten Stein, das Werk Infrastruktur und Fertigungserfahrung. Ein skalierbares Modell, das auf weitere Standorte übertragbar ist.

Der eigentliche Wandel entsteht im Umgang mit dem gebauten Raum. Wenn Bauteile durch Zirkularität ihren Wert behalten, verändert sich die Logik der Wirtschaftlichkeit: Zirkuläre Bauteile bleiben als Asset und damit als Eigenkapital in der Bilanz stehen. Das eröffnet neue ökonomische Perspektiven: neue Finanzierungsmodelle, neue Bilanzierungsansätze, neue Geschäftsmodelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Kreislauffähigkeit wird damit nicht zur Vision, sondern zur messbaren Eigenschaft eines Bauprodukts und zum wirtschaftlichen Treiber. Für die Bauindustrie könnte das bedeuten: Der Rückbau wird nicht mehr das Ende eines Gebäudes sein, sondern ein neues Geschäftsmodell, das Werte im Kreislauf erhält statt sie zu vernichten. An diesem positiven Zukunftsbild arbeiten wir täglich.

Wenn Bauteile ihren Wert behalten, ändert sich, wie man Gebäude wirtschaftlich betrachtet. Zirkuläre Bauteile bleiben als Vermögenswert in der Bilanz stehen, das eröffnet neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle entlang der ganzen Wertschöpfungskette.

Kreislauffähigkeit wird damit nicht nur eine Umweltfrage, sondern eine messbare, wirtschaftliche Eigenschaft eines Gebäudes. Rückbau wäre dann nicht mehr das Ende eines Gebäudes, sondern der Anfang eines neuen Geschäftsmodells.

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Weitere Infos auf der Website von Polycare

Beatrix Immig

Beitrag von Beatrix Immig

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